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Wildkatzen-Pfad: Im Revier der wilden Miezen

Foto: rumdabbe.de
Der Wildkatze auf der Spur: Der Erlebnis-Pfad in der Nähe von Bad Herrenalb führt sechs Kilometer durch ein Revier, wie es Wildkatzen mögen.

Start
Dumm gelaufen auf dem Wildkatzen-Pfad. Schild übersehen, Abzweigung verpasst – tolle Wanderung. Ernsthaft! Wenn’s nicht richtig läuft, kann das auch gut sein. Auf dem Wildkatzen-Erlebnispfad bei Bad Herrenalb haben wir dadurch eine nette Abkürzung gefunden. Ideal für Familien, die nach der Hälfte der Strecke merken, dass der komplette Rundweg für die Kleinen nun doch zu weit ist. Zudem haben wir auf diese Weise einen außergewöhnlich gastfreundlichen Ort kennengelernt. 

Der Wildkatzen-Pfad beginnt beim Skiheim Talwiese im Oberen Gaistal. Er ist auch mit dem Bus gut erreichbar (Siehe Infobox unten). Das Eingangstor ist nicht zu übersehen. Ein schmaler Pfad schlängelt sich in den Wald. „Hier sind Pfoten zu sehen„, rufen die Kleinen. Im Waldboden sind einige Steinplatten mit den Abdrücken einer Wildkatzen eingelassen. Die Spur ist aufgenommen. Immer dem grünen Schild mit der Wildkatze nach. Wir streifen am Waldrand durch Sträucher und schlurfen durch Matsch. Bald erreichen wir die erste Stationen.

Abkürzung auf dem Wildkatzen-Pfad

Hier erfahren wir die wichtigsten Infos über die Europäische Wildkatze. Sieht aus wie ein Stubentiger, ist aber anders: Statur insgesamt kräftiger, dickeres Fell, Schwanz kürzer und buschiger – typisch sind drei schwarze Ringe am Schwanzende. Wildkatzen sind geschickte Jäger: Deswegen wurde die Raubkatze vor rund 100 Jahren schonungslos verfolgt und fast ausgerottet. Inzwischen werden Wildkatzen im Schwarzwald wieder heimisch. Vom Mittleren Oberrhein aus kehren sie peu à peu in den Nordschwarzwald zurück, stellt der „Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland“ (BUND) fest. Auch im Raum Karlsruhe sind Wildkatzen nachgewiesen.

Knapp sechs Kilometer führt der Wildkatzen-Pfad bergauf und bergab. Mit der Abkürzung dürfte die Strecke etwa vier Kilometer lang sein. Für Kinderwagen ist die Tour nicht geeignet. Der Erlebnispfad ist auch abgekürzt durchaus anspruchsvoll: zumindest für Kinder unter vier Jahren und Leute, die zu wenig Sport treiben. Gute Schuhe sind wichtig. Ein reichhaltiges Vesper für eine längere Pause unterwegs ist zu empfehlen.

Auf allen Vieren wie die Wildkatzen über die Alb

Wald, Wiesen, Wildkatzen-Parcours: Der Rundweg ist abwechslungsreich, es gibt viel zu entdecken. Nach der ersten Station lotst der Wegweiser in den Wald hinein. Ein Bach plätschert, die Kinder staunen über die vielen Pilze, die sie hier und dort entdecken. Bei der nächsten Station können sie wie Wildkatzen von einem Baum-Stumpf zum nächsten springen.

Foto: rumdabbe.de
Der grüne Wegweiser mit der Wildkatze lotst über den Wildkatzen-Pfad.

Kurz führt der Weg auf einer Straße entlang. Nach etwa hundert Meter geht’s rechts wieder in den Wald. Plötzlich kreuzt ein Weg. Erste Irritation: Am Baum vor uns zeigt der grüne Wildkatzen-Wegweiser nach links. Wir rätseln … bedeutete das, wir sollen links den Weg hoch? Oder will uns der Pfeil über den Weg weiter in den Wald lotsen? Wir biegen links ab, folgen dem Waldweg und stellen bald fest: Nee, hier müssen wir falsch sein. Wir kehren um und tatsächlich: Wir hätten vorhin den Waldweg überqueren müssen.

Die Kinder verhungern, Zeit für eine Pause. Kurz bevor der Erlebnispfad die Alb überquert, entdecken wir im Wald eine Bank. Später stellen wir fest, dass es im weiteren Verlauf noch schönere Rastplätze gibt. Weiter geht’s:  Jetzt kommt die Lieblingsstelle der Kinder: die Alb-Überquerung. Wie Wildkatzen krabbeln sie auf allen Vieren über den Bach. Etwas weiter bergauf, kommt die nächste Station in Sicht: Sieht aus wie ein Fitness-Gerät mit Massage-Rollen.

Ein Revier wie es wilde Katzen mögen

Mit dem Rücken über die Noppen rollen … ah, tut das gut. Ob das für Wildkatzen auch so ein wohliges Gefühl ist? Sie reiben sich gerne an Bäumen. Diese Eigenart der Wildkatzen nutzen Tierforscher für eine besondere Methode: Sie streichen Holzpfähle mit Baldrian-Extrakt ein. Das lockt Wildkatzen an, sie reiben sich an dem Holz, Katzenhaare bleiben daran hängen. So können Tierforscher feststellen, ob die scheuen Wildkatzen in einem Waldstück wieder unterwegs sind oder nicht.

Es geht bergauf. Steil bergauf. Zum Durchpusten lädt die nächste Station ein. Thema: Schleichen und Jagen. Auf einem Balance-Parcours können die Kinder das Anschleichen der Wildkatzen nachempfinden, zum Beispiel bei der Mäusejagd. Der Wildkatzen-Pfad führt nun aus dem Wald hinaus. In einer Biegung stehen zwei Sitzbänke – das wäre ein sehr schöner Platz für die Rast gewesen. Der Blick aufs Gaistal ist herrlich: ringsherum Wälder, eine Talsenke mit Wiesen, Büschen und Baumgruppen … ein Revier wie es Wildkatzen mögen.

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Jetzt kommt die Stelle, an der wir den Wildkatzen-Pfad aus Versehen verlassen haben. Am Wegesrand steht eine allgemein gehaltene Info-Tafel zum Erlebnispfad. Wir rätseln: Ein Einstiegspunkt für den Rundweg auf halber Strecke? Müssen wir weiter auf dem Weg? Oder geht’s hier irgendwo auf einem Pfad in den Wald hinein? Die Skizze auf dem Wildkatzen-Pfad-Flyer ist in dem Fall keine große Entscheidungshilfe. Da wir ansonsten keinen Wildkatzen-Wegweiser entdecken, bleiben wir erstmal auf dem Weg. Das war wohl falsch. Nach einigen hundert Metern stoßen wir auf eine Weg-Gabelung. Nirgendwo ein Wildkatzen-Wegweiser. Und jetzt? Wir gehen auf der kaum befahrenen Straße Richtung „Skiheim Talwiese“.

Wander-Tipp für Grünschnäbel: Sich nie nur auf Touren-Pläne in Broschüren verlassen. Am besten immer auch eine Wanderkarte der Region mitnehmen. 

Weiter unten kreuzen wir wieder den Wildkatzen-Pfad. Wir hätten bei der Info-Tafel oben wohl irgendeinen Pfad nehmen müssen. Na ja, da es inzwischen schon relativ spät ist, wägen wir ab: Schaffen wir noch die zweite Hälfte des Erlebnispfads? Oder gehen wir den direkten Weg zum Skiheim? Mit Blick auf die Uhr und dem einsetzenden „Ich muss aufs Klo!“- und „Ich bin müde“-Gequengel, wählen wir die Abkürzung: immer der gelben Raute nach, Richtung Plotzsägmühl / Skiheim Talwiese.

Kein schöner Platz für Nationalpark-Freunde

Foto: rumdabbe.de
Im Biergarten der Plotzsägmühl sitzen Nationalpark-Freunde eine Spur wilder.

Nach wenigen hundert Metern erreichen wir die Plotzsägmühl. Die entpuppt sich als eine urige Gastwirtschaft: familienfreundlich, faire Preise.  Selbstversorger sind im Biergarten und Gastraum willkommen. Die Mühle wurde im 13. Jahrhundert erbaut, das historische Kleinod ist im Zustand von 1699 erhalten geblieben. Ohne staatliche Zuschüsse! Darauf weist Inhaber Markus Kübler auf Plakaten hin, die auf dem Anwesen verteilt ausgehängt sind. Der ironisch-bissige Ton zeugt davon, dass der Mühlenbesitzer mit Politik und Behörden offenbar nicht die besten Erfahrungen gemacht hat. Nationalpark? Nein danke! Was der Wirt von dem umstrittenen Nationalpark hält, bringt er mit einer humorvoll auf den Punkt: Für Nationalpark-Befürworter gibt es im Biergarten einen speziellen Platz:  eine Sitzgruppe, die verwildert. Tisch und Sitzbank bleiben sich selbst überlassen. Gräser und Unkraut wuchern dort in die Höhe. Das Holz verrottet.

Die Kinder wären gerne länger geblieben: leckeres Eis, klappernde Mühle am rauschenden Bach, Spielsachen im Biergarten. Aber wir müssen weiter, es wird langsam spät. Begeistert stellen die Kleinen fest, dass bei der Plotzsägmühl ein Bach einfach über die Straße fließt. „Skiheim Talwieser: 1,2 Kilometer“.  Oha, die gelbe Raute lotst ausgerechnet in die Richtung, die auf unangenehm-beeindruckende Weise ganz schön steil ist. Keuchend hecheln wir am Gasthof Spechtschmiede vorbei, passieren unterwegs das Ortschild vom „Freistaat Zieflensberg“ auf dem der grüne Aufkleber mit dem rot durchgestrichenen Wort Nationalpark prangt.  Die Nationalpark-Idee stößt im Gaistal offensichtlich auf wenig Gegenliebe.

Die gelbe Raute. Immer der gelben Raute nach. An der Kurve kurz nach dem Spechtschmied geradeaus dem ein Fußweg folgen. Er führt zu einer Straße (Zieflensberg), die überqueren, dann weiter auf dem geteerten Weg. Weitläufige Wiesen, der Geruch von frisch gemähtem Gras. Der Weg stößt auf die Straße, die zur Talwiese führt. Das Skiheim ist von Weitem schon zu sehen. Doch ehe wir zum Parkplatz gehen, besuchen wir an der Bushaltestelle noch die zehnte und letzte Station des Wildkatzen-Pfads. Wenigstens die nehmen wir noch mit.

Mehr über Wildkatzen

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Wildkatzen-Walderlebnis:  Nähere Infos über den Wildkatzen-Pfad gibt es auf der Website von Bad Herrenalb – zum Beispiel Tourenkarte, Termine für Führungen über den Wildkatzen-Pfad. Die Broschüre zum Erlebnispfad kann dort als PDF heruntergeladen werden.

Anreise mit Bahn und Bus: Von Karlsruhe / Ettlingen aus fährt die S1 durchs Albtal nach Bad Herrenalb. Vom Bahnhof ab fährt um 11.04 Uhr die Buslinie 116 zum „Skiheim Talwiese“ (Ankunft: 11.30 Uhr). Am Skiheim fährt um 17.37 Uhr wieder ein Bus zum Bahnhof Bad Herrenalb (17.56 Uhr). Fahrplanauskunft: www.kvv.de


Weitere Infos zum Wildkatzen-Pfad:


Wildkatzen-Projek:

  • „Wildkatzen-Sprung“ heißt ein Projekt des „Bunds für Umwelt und Naturschutz in Deutschland“ (BUND). Es ist Teil des Rettungsnetzes für die Wildkatze. Ziel ist es, in Deutschland grüne Korridore einzurichten. Diese Trassen aus Bäumen, Wiesen und Büschen sollen so miteinander verbunden werden sollen, dass Wildkatzen (und andere Tiere) möglichst ungehindert von einem Wald zum nächsten wandern können. Denn die größte Gefahr für die Katzen sind Autobahnen, Straßen und Schienen. Das „Rettungsnetz für die Wildkatze“ feiert dieses Jahr seinen 10. Geburtstag. Hintergründige Infos über Wildkatzen und ihren Schutz: www.bund.net

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Wildkatzen-Pfad

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Wildkatzen-Pfad 48.769993, 8.440736

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