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Luchspfad: Dem Phantom mit den Pinselohren auf der Spur

Luchs in freier Wildbahn: Das Bild ist aus Spanien. Im Schwarzwald wurde Europas größte Wildkatze im 19. Jahrhundert ausgerottet. Foto: Linzea. to kurtsik


Vier Stunden später auf der Heimfahrt:
Überraschend, erstaunlich, toll – solche Worte fallen immer wieder. Der Luchspfad ist ein Erlebnis. „Überraschend abwechslungsreich die Landschaft“, findet Mutti. „Tolle Fernrohre!“, rufen die Kleinen. „Erstaunlich, wie wild doch der Schwarzwald abseits der üblichen Wanderwege ist“, merkt Vati etwas loriot-haft an.

Kurvige Straße, dunkler Tann, schöne Aussichten – so kennt man die Schwarzwald-Hochstraße (B500). Andere Eindrücke bietet der Luchspfad, obwohl der Rundweg nur wenige hundert Meter von der Bundesstraße entfernt ist. Du streifst durch dichtes Gehölz, balancierst auf Stegen über munter rauschende Bäche, wanderst zwischen hohen Tannen, erkletterst felsige Höhen. Zwischendurch überraschen immer wieder interaktive Stationen, die vom Leben und Wesen der Luchse erzählen. Doch dazu später ein kleines bisschen mehr.

Zum Luchspfad sind es von Baden-Baden aus 15 Kilometer. Der Ausgangspunkt liegt ganz in der Nähe des vornehmen Schlosshotels „Bühler Höhe“. Gegenüber steht das runtergekommene „Hotel Plättig“. Dort kann man parken. Oder an der Haltestelle „Bühlerhöhe/Plättig“ aus dem Bus steigen. Von dort geht’s die Auffahrt zum Plättig-Hotel hoch, vor dem ehemaligen Gästehaus dann links weiter zur St.-Antonius-Kapelle, die auf einer Wiese bereits zu sehen ist.

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Blick durchs Fernrohr: Der Fokus hilft, den Wald mit den Augen eines Luches zu sehen. Foto: rumdabbe.de

 

Ein Holzsteg führt zum ersten Fernrohr. Reingeschaut und siehe da: ein Luchs! Allerdings nur ein Pappkamerad. Doch ein nettes Aha-Erlebnis zur Einstimmung. Der Weg führt nun in den Wald, wenige hundert Meter sind es bis zur „Info-Hütte Luchspfad“. Hier gibt’s Broschüren in allerlei Sprachen und Teilnahmekarten für das „Luchs-Diplom“. Wer mitmacht und das richtige Lösungwort herausfindet, kann gewinnen. Infos unter www.luchsdiplom.de

Jetzt geht’s richtig los. Die Hütte ist Start und Ziel des Luchspfads. Der Rundweg ist vier Kilometer lang. Vier Stunden sollte man einplanen. Ein Tipp vorab: Nur loslaufen, wenn die Hütte vor Einbruch der Dunkelheit auch wieder erreicht werden kann. Wer unterwegs von der Dunkelheit eingeholt wird, erkennt die Luchs-Wegweiser nicht mehr. Die Aussicht, dann noch aus dem Wald zu finden, ist ziemlich düster.

Keine Bange – die Gefahr, unterwegs von einem Luchs gebissen zu werden liegt bei Null. Aus zwei Gründen. Die Wildkatzen sind sehr scheu und gehen Menschen lieber aus dem Weg. Zudem gibt es in der Region schon lange keine Luchse mehr. Der letzte Luchs soll im Jahr 1846 im Schwabenland getötet worden sein. Seitdem galten die Tiere in Deutschland als ausgerottet. Die wilden Mietzen wurden seit dem späten Mittelalter gnadenlos gejagt. Der Grund: Die Menschen rodeten mehr und mehr Wälder. Der Lebensraum der Luchse wurde deswegen kleiner und kleiner. Als clevere Jäger schnappten die Wildkatzen den Menschen mehr und mehr Vieh und Beutetiere weg.

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Immer dem Luchs nach. Der Wegweiser führt durch den Wald. Foto: rumdabbe.de

Aber sie kommen wieder. Seit den 1980er Jahren gibt es im Südschwarzwald Hinweise, dass einzelne Luchse durch die Wälder schleichen. Bald auch im Nordschwarzwald? Der Luchspfad führt im Stadtwald von Baden-Baden durch ein Gebiet, in dem sich ein Luchs pudelwohl fühlen würde: ausgehnte Waldstücke, dichtes Gestrüpp, zerklüfftete Felsen, wilde Bäche. Dem Entsprechend heißt das Motto des Erlebnispfads  „Schleichen, Spähen, Ohren spitzen“.

Die 24 Stationen im Wald haben eine gemeinsame Botschaft: Schade, dass der Luchs weg ist. Wie schön wäre es, wenn die sympathischen Pinselohren wieder in ihrer alten Heimat leben könnten. Die Stationen veranschaulichen, wie Luchse leben und welche besonderen Merkmale Europas größte Wildkatzen haben. Zum Beispiel:

„Schleichen“:
An einer Station läufst du über federnde Bretter, empfindest so den schleichenden Gang eines Luchses nach.

„Spähen“:
Unterwegs kommst du immer wieder an Fernrohren vorbei. Beim Durchschauen entdeckst du Tiere, die mit dem Luchs im Revier leben und auch seine Beute sind.

„Ohren spitzen“:
Was sind das für Geräusche? Wer ruft da? An einer Station kannst du testen, wie gut du den „Sound des Waldes“ kennst.

Vier kurzweilige Kilometer wald-quer-ein: Unterwegs lernst du den Luchs näher kennen. Aber auch den Schwarzwald. Eine abwechslungsreiche, wilde Landschaft, wie man sie von normalen Wanderwegen her nicht unbedingt kennt. Nichts für Kinderwägen und Rollatoren! Unterwegs wird immer wieder körperliche Fitness abverlangt. Festes Schuhwerk ist wichtig. Kinder auf Gefahren hinweisen und auf sie acht geben. Dann wird es für alle ein wunderbarer Ausflug, der immer wieder überrascht und erstaunt.

 

Mehr über Luchse erfahren

Foto: Petr Kratochvil
Foto: Petr Kratochvil

Führungen durch den Luchspfad: Das Forstamt Baden-Baden bietet an jedem ersten und dritten Freitag im Monat Führungen an. Treffpunkt ist um 14.30 Uhr an der Infotafel auf dem Wanderparkplatz beim „Hotel Plättig“ an der B500. Führungen können auch an anderen Wochentagen gebucht werden. Anmeldung beim Forstamt: Tel. 07221/93-16 63, forstamt@baden-baden.de
www.luchspfad-baden-baden.de

 

Echte Luchse sehen: Wer nach dem Luchspfad auch noch einen lebendigen Luchs sehen möchte, hat in der Region zwei Möglichkeiten:

Karlsruher Zoo: Raubtierhaus mit Karpatenluchsen
Pforzheimer Wildpark: Schaufütterungen samstags, sonntags und feiertags um 14 Uhr.
Weitere Möglichkeiten in Baden-Württemberg: www.luchs-bw.de

Luchs-Infos (nicht nur) für Kinder: „Oli’s Wilde Welt“ ist eine Sendung im Kinderkanal KiKa. Auf Oli’s Wilder Website gibt es die Rubrik „Grünes Buch“. Das ist ein Tierlexikon, das kindgerecht auch über den Luchs informiert. Sehenswert: das Video von „Oli’s wilde Welt“ mit den Luchsen im Pforzheimer Wildpark.

Stirbt der Luchs im Elsass ein zweites Mal aus? In den Ostvogesen wurden 20 Luchse aus Rumänien angesiedelt. Die Bilanz nach 30 Jahren: Nur noch zehn Wildkatzen streifen durch die Vogesen, berichtet Focus. Luchse sterben auf Straßen, viele werden Opfer von Wilderern. Mehr über Luchse im Elsass: Luchs-Programm der staatlichen Jagdbehörde „Office National de la Chasse et de la Faune Sauvage“ (O.N.C.F.S).

Luchse und die Wissenschaft: Eine gute Übersicht aktueller Forschungsprojekten bietet die Luchs-Initiative Baden-Württemberg

Sich für den Luchs engagieren:
Luchs-Initiative Baden-Württemberg

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Luchspfad

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Luchspfad 48.671560, 8.231628 Der Luchspfad liegt an der Schwarzwald-Hochstraße (B500). Ausgangspunkt ist der Wanderparkplatz beim \"Hotel Plättig\" in der Nähe von Baden-Baden.

 

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